über mich
Ich bin Autor und lebe mit meiner Frau und meinen beiden Kindern in London. Ursprünglich komme ich aus Bristol im Südwesten Englands. Ich schreibe schon seit vielen Jahren, aber paradoxerweise konnte ich erst nach einer schweren Schädigung meines Gehirns meinen Roman ›Weiterleben‹ schreiben. Sie hat meine Denkweise und meine Sicht auf die Welt verändert und etwas in meinem Schreiben freigesetzt. Es begann mit einem Herzstillstand. Am Abend des 1. Februars 2021 saß ich gerade mit meiner Frau beim Abendessen, als mein Herz aufhörte zu schlagen und ich keine Luft mehr bekam. Ich war klinisch tot. Meine Frau schickte unseren Sohn zu unserem Nachbarn, um Hilfe zu holen, während sie den Krankenwagen rief. Am Telefon wurde ihr gesagt, sie solle sofort mit der Reanimation anfangen und Peter, mein Freund und Nachbar, begann mit der Herzdruckmassage. Als es den Sanitätern gelang, mich wiederzubeleben, hatte ich etwa vierzig Minuten lang keinen Herzschlag gehabt und nicht mehr geatmet. Durch den Sauerstoffmangel hatte mein Gehirn Schaden genommen, was erst klar wurde, nachdem ich aus dem Koma im Royal Free Hospital in Hampstead, London aufwachte – dem gleichen Krankenhaus, in dem meine Tochter neun Jahre zuvor zur Welt gekommen war. Ich erinnere mich zwar nicht an das Erwachen aus dem Koma, aber ich erinnere mich an das Gefühl, das ich zu dieser Zeit hatte. Ich fühlte mich vollkommen friedlich, als wäre ich schwerelos, losgelöst von der Zeit. Mir war nicht bewusst, was passiert war, und ich dachte auch nicht darüber nach, was als Nächstes passieren würde. Ich fühlte mich, wie sich wohl ein Baby fühlen muss. Ich hatte keine Sorgen, kaum Gedanken, nur Empfindungen. Ich weiß noch, wie ich das Krankenhaus verließ, um zur Rehaklinik zu fahren. Man schob mich in einem Rollstuhl zu einem Krankenwagen, und ich erinnere mich deutlich an die Luft auf meinem Gesicht. Sie war kalt und roch nach frisch gefallenem Schnee, und ich fühlte mich wie früher als Kind an einem Wintertag. Nach den Wochen drinnen war alles neu. Während ich in der Reha war, ging der Winter langsam in den Frühling über. In den Gärten sprossen die ersten Knollen aus dem Boden. An einem sonnigen Tag lag ich draußen auf der Mauer, schaute in den Himmel und spürte zum ersten Mal seit langer Zeit wieder die Sonne auf meinem Gesicht. Der Himmel war wolkenlos blau, und ich beobachtete die Vögel, die über mir durch die Luft flogen.
In mein Tagebuch schrieb ich an diesem Tag nur: Wir werden es schaffen. Bevor ich endgültig nach Hause kam, hatte ich eine Operation am offenen Herzen, um das Problem zu beheben, das den Herzstillstand verursacht hatte. Als ich aus der Narkose erwachte, fühlte ich mich, als hätte mich ein Lastwagen überfahren. Dann begann ich mich langsam an mein neues Leben zu gewöhnen. In diesen Monaten, oder vielleicht sogar in den ersten ein oder zwei Jahren danach, fühlte ich mich, als stünde ich auf der einen Seite einer gläsernen Trennwand und der Rest der Welt auf der anderen. Manchmal fühle ich mich immer noch so. Ich habe mich noch nicht ganz an dieses neue Leben gewöhnt, daran, nicht mehr so leben zu können wie zuvor. Es ist keineswegs ein schlechtes Leben, aber es ist ganz anders. Es gibt viele Dinge, die ich nicht mehr tun kann. Aber wichtiger ist, dass es viele Dinge gibt, die ich tun kann. Ich lebe, ich kann sehen, ich habe meine Familie und ich kann schreiben. Irgendwann im ersten Jahr nach meinem Herzstillstand begann ich, ›Weiterleben‹ zu schreiben. Ich weiß weder, wann ich mich dazu entschlossen habe, noch wann ich damit angefangen habe. Ich erinnere mich jedoch an einen heißen Tag, an dem ich draußen lag und an meinem Roman arbeitete. Ich schrieb alle zwei oder drei Tage ein wenig von Hand. Wenn ich wieder begann, hatte ich meistens vergessen, was ich zuvor geschrieben hatte, und musste zurückblättern, um weiterzumachen. Mein Roman basiert auf meinen Erfahrungen. Vor dem Vorfall fiel es mir schwer, mich zu entspannen. Ich war ständig beschäftigt und dachte immer schon an die nächste Aufgabe. Ich glaube, viele Menschen leben so. Durch meine Krankheit hat sich das geändert. Ich habe eine innere Ruhe gefunden, die ich vorher nicht hatte oder die mir zumindest nicht zugänglich war. Dieses Gefühl von Sicherheit und Frieden wollte ich vermitteln. Ich hoffe, dass mein Roman das schafft. Früher war ich schnell im Denken, habe viel gearbeitet und hatte die Fähigkeit, so einiges gleichzeitig zu erledigen. Jetzt bin ich langsam, vergesslich und oft erschöpft. Ich bin kognitiv beeinträchtigt. Mein früheres Leben, in dem ich beruflich erfolgreich war und ein geschäftiges Privatleben hatte, endete in einem einzigen Augenblick. Nach dem Herzstillstand habe ich viel über den Sinn meines Lebens nachgedacht. Ich habe meine Familie, aber keinen Job in einer Welt, in der Menschen oft über ihre Arbeit definiert werden. Ich wusste, dass ich nicht mehr arbeiten konnte, aber ich wusste auch, dass ich eine zweite Chance bekommen hatte. Weiterleben.